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Freitag, 4. Juli 2008, 08:43

Berichterstattung im Forum

Wieviel Öffentlichkeit vertragen die neuzeitlichen Befestigungen?

1. Zusammenfassung

Mit diesem gemeinsamen Beitrag möchten wir erläutern, warum (auch) Forumsbeiträge zu vom Autor ungewollten Schäden führen könnten und wie vernünftige Beiträge statt dessen aussehen könnten.

Eins soll klar sein: Wir rufen hiermit keinesfalls zu Zensur, Verschwiegenheit oder Geheimniskrämerei auf. Wir plädieren statt dessen für einen vernünftigen Umgang mit Veröffentlichungen jeder Art, die der komplexen, oftmals mit starkem Besucherverkehr unverträglichen Situation der neuzeitlichen Befestigungen gerecht wird.

Vernünftig heißt für uns: Man stellt nicht gleich sein ganzes Wissen bebildert ins Internet. Eine mit starkem Besucherverkehr unverträglichen Situation kannst du mindestens anhand der folgenden vier Kriterien erkennen:
1) Ein Bauwerk ist anscheinend nicht in Privateigentum. Dann mußt du damit rechnen, daß der Bund noch immer Eigentümer ist und der hat noch immer den latent vorhandenen Wunsch sich seiner Verkehrssicherungspflicht an seinen Bunkern durch Abbruch oder Übererdung zu entledigen. Jedes geographisch nachvollziehbares Bild im Internet macht den regional zuständigen Sachbearbeiter bei der BImA nervös, weil er befürchtet in Schwierigkeiten zu geraten falls doch mal was an einem Bunker passiert, auch wenn darüber seit Jahrzehnten nichts bekannt ist.
2) Ein Bauwerk ist anscheinend in Privateigentum oder steht zumindest auf privatem Boden, ist kein Museum und du weißt nicht wer der Eigentümer ist und was er von Bunkern und Bunkerfreunden hält. Dann mußt du damit rechnen, daß der Eigentümer immer Sorgen um seine Besitztümer hat. Zudem, der Eigentümer haftet sogar noch für dich wenn du seine Schilder mißachtest, seinen Zaun überkletterst, dich doof anstellst und am Zaun oder Armierungseisen hängen bleibst. Kannst du dir vorstellen, was ein Eigentümer machen würde wenn er seinen Bunker im Internet entdeckt?
3) Es gibt noch Panzer- oder sonstige Einbauteile. Bedenke, daß auch deine Bilder im Internet Abbauprozesse durch Schrotthändler und Sammler eher beschleunigen als verlangsamen.
4) Die Bunker liegen in der Nähe von stark frequentierten Wandergebieten oder dicht besiedelten Wohngebieten. Rechne mit der Unkenntnis unter Anwohnern und der lokalen kommunalen Verwaltung über Bunkerfreunde und über Bunker selbst, ihre Geschichte und heutigen historischen und ökologischen Werten. Dein aus lauter Begeisterung im Internet veröffentlichter Text kann plötzlich viele Bunkerfreunde heranbringen. Anwohner haben sich schnell beschwert und manche Bürgermeister und Gemeinderäte ärgern sich schon lange über den alten „Schandflecken“. Ein Beseitigungsantrag nimmt die BImA liebend gerne entgegen. Örtliche Historiker, Bunkerforscher und Naturschützer, die sich seit Jahren um den Erhalt der Anlagen bemühen werden sich bei dir bedanken.

Welche dieser Kriterien wenig oder viel Bedeutung beigemessen werden soll, wissen wir meistens nicht und ist regional stark unterschiedlich.
Wenn du als Autor etwas über einen bestimmten Bunker schreiben möchtest, egal ob in einem Forum oder in einer Fachzeitschrift, und nicht ausschließen kannst, daß nicht mindestens eine dieser Kriterien zutrifft, findest du am Ende dieses Beitrages einen Leitfaden, worin wir erläutern wie du mit einer vernünftigen Veröffentlichung an einem dauerhaften Erhalt beitragen kannst.
Alles andere findest du ausführlich im nachfolgenden Text.

16.06.2008

Klaus Backes
Bernd Chodera
Thomas Eck
Bernd Pietsch
Alexander Stein
David Stritzinger
Walter Stutterich
Torsten Thal
Peter Waltje
Patrice Wijnands


2. Wieviel Öffentlichkeit vertragen die neuzeitlichen Befestigungen?

Diese Frage stellten sich Bunkerforscher die sich mit dem Westwall befaßten schon vor mehr als zehn Jahren und damals waren sich die meisten darüber einig: Sehr wenig. Diese Haltung war die Reaktion auf die jahrzehntenlangen Beseitigungsarbeiten an Bunkern, die von den Bundesvermögensämtern auf Basis des Allgemeinen Kriegsfolgensgesetzes und zur Erfüllung der Verkehrssicherungspflichten des Bundes als Eigentümer vorangetrieben wurden und diese Haltung führte mit dazu, daß über dem Westwall relativ wenig veröffentlicht wurde. So versuchte man, den BVAs so wenig wie möglich Anhaltspunkte in der Literatur zu bieten. Natürlich wußte niemand sicher, ob Literatur eine Rolle spielen könnte, aber es bestand Einigkeit darüber, daß man besser vorsichtig sei, solange man die Folgen nicht abschätzen konnte.

Ob diese Haltung der richtige Weg war sollte man beurteilen gegen den Hintergrund der erfolglosen Versuche von Bunkerforschern, Historikern, Denkmalschützern und Naturschützern Bunker zu erhalten und die besonders in Deutschland damals noch verhaltene Meinung über Befestigungsanlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.
So besehen waren die Bunkerfreunde jahrzehntenlang um Alternativen verlegen.



3. "Vom Denkmalwert des Unerfreulichen" - Der Versuch

Manfred Groß versuchte 1997 einen ganz anderen Weg, indem er mit seinem zweiten Buch die Standorte von fast allen Bunkern des Westwalls in NRW in Karten veröffentlichte und empfehlenswerte Bauwerke zusätzlich beschrieb. Er erreichte damit ein großes Publikum aber warum auch immer war die Eifel nach Jahren mit wenig Beseitigungen den darauf folgenden Jahren geprägt von umfangreichen Beseitigungsarbeiten und auch an den beschriebenen Anlagen. Auch wenn der Zusammenhang nicht nachgewiesen wurde, trotzdem froren viele Bunkerforscher ihre Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden in NRW (wozu Manfred Groß gehörte) ein.



4. Gibt es einen Abrißstopp?

Heute hat sich die Gesetzeslage kaum verändert, aber die Bemühungen von Seiten des Denkmalschutzes und des Naturschutzes, mittlerweile auch im Dialog mit der Nachfolgerin der Bundesvermögensämter, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) haben jetzt zu einem defacto Abrißstopp geführt. Niemand weiß ob die hält und auf lange Sicht erfolgreich sein wird.
Eine vernünftige Informationspolitik der Bunkerfreunde zur Öffentlichkeit würde den Publikumsverkehr an Bunkern beschränken und das käme allen Beteiligten (Bunkerfreunde, Denkmalschutz, Naturschutz, BImA und private Grundstückseigentümer) eigentlich nur entgegen.
Zudem, muß das den Bunkerfreunden keinesfalls schaden oder ihren Austausch behindern. Man muß sein Wissen nur nicht von allen Dächern schreien wollen, indem man es in öffentlichen Foren oder Webseiten verbreitet, ohne die Folgen abschätzen zu können.

Zur Übersicht:
In Nordrhein-Westfalen galt von 2005 bis Ende 2007 ein Moratorium, das jetzt ausgelaufen ist. Eine Wiederaufnahme des Abbruchs gehört jederzeit zu den Möglichkeiten.
(Update) In Rheinland-Pfalz hielt die Landesregierung Bunkerbeseitigungen aus Gründen des Artenschutzes seit 2004 auf. Abbruch war aber weiterhin möglich, geschah aber praktisch nicht mehr. Seit 2009 gewährt das "Strecken- und Flächendenkmal 'Westbefestigung' (Westwall und Luftverteidigungszone West)" denkmallisten.gdke-rlp.de/Westwall-akt.pdf Denkmalschutz. Dieser gestaltet sich für Bunkerruinen als relativ wirkungsvoll, Kochstände und Laufgräben sind jedoch weiterhin vor allem von der Forstwirtschaft bedroht.
Im Saarland genießen nur explizit als Denkmal eingetragene, erhaltene Bauwerke Denkmalschutz, die Ruinen (noch) nicht.
In Baden-Württemberg gibt es seit 2005 die "Sachgesamtheit Westbefestigung", die Bunker als Kulturdenkmäler nach $2 des DSG gegen undokumentierten Abbruch schützt. Abbruch ist aber weiterhin möglich, und das passiert auch im Rahmen des Hochwasserschutzes, wofür Hochwasserschutzdämme ertüchtigt werden müssen.



5. Folgen einer Veröffentlichung für Grundstückseigentümer


Grundstückseigentümer, egal ob das der Bund ist, repräsentiert durch die BImA, oder Länder, Kommunen oder private Eigentümer, sie alle sehen selten gerne ihre Grundstücke oder die Bunker darauf im Internet abgebildet. Jeder Eigentümer muß dann noch viel mehr mit ungebetenen Besuchern rechnen die ihm nur schaden können, weil der Eigentümer bei Unfällen auf dem Grundstück immer haftet (egal was für ein Schild da steht) oder weil Beschädigungen bzw. Diebstähle vorfallen. Seine Reaktion darauf ist logisch: Er wird zukünftige Besucher wehren und überdenken, wie er das Objekt der Begierde weniger interessant machen könnte. Wenn er das Geld dafür hat, könnte er Abriß oder Übererdung erwägen.



6. Folgen einer Veröffentlichung für örtliche Initiativen zum Erhalt von Bunkern

Ohne die aktive Beseitigung von Seiten des Bundes werden jetzt andere, kleinere Bedrohungen für den Westwall (und andere Befestigungsanlagen des vergangenen Jahrhunderts) sichtbar, die aber nicht unbedeutsam sind: Kommunen und Privateigentümer, die sich aktiv einer Vergangenheit, Gefahrenstellen oder einfach Schandflecken mit Müllansammlungen entledigen wollen aber auch ohne Wissen um die Bauwerke Neubauprojekte vorantreiben möchten. Hier hilft oft der Dialog, wenn man ihn denn führen kann, aber leider auch nicht immer. Eine zu offene Informationspolitik führt gerade bei bedrohten Anlagen zu stärkerem Besucherverkehr und das wiederum schadet gerade den Bemühungen von lokalen Bunkerforschern, Historikern und Naturschützern, die sich über einen Dialog um den Erhalt bemühen. Oft weiß man nicht einmal, daß solche Dialoge schon über Jahre hinweg geführt wurden. Ein einziger Forumsbeitrag kann wirklich viel Mühe zertrampeln.

Bedenke auch, daß eine listenmäßige Darstellung ohne WH-Nummer und mit nur vagen Ortsangaben, Beschreibungen des heutigen Zustandes und Bildern den Eindruck erwecken könnte, daß in einer Region oder Gemeinde noch viel Bunker vorhanden wären. Das erweckt Interesse von Bunkerfreunden aus aller Welt aber die Bewohner solcher bunkerreichen Gemeinden, ihre lokale Verwaltung, Gemeinderäte und Bürgermeister sind sich diesem Reichtum oft nicht bewußt. Ein Ansturm von Bunkerfreunden führt dann eher zu einer ablehnenden Haltung sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen.

Will man in einer solchen Gemeinde etwas erreichen, könnte man die Anlagen vorher dokumentieren, Kontakt zu den Eigentümern suchen, alles schön aufschreiben und auszeichnen und damit gewappnet beim Bürgermeister vorsprechen, der Bevölkerung einen Vortrag oder eine Führung anbieten und erst danach für die interregionalen Bunkerfreunde.
Das ist für den dauerhaften Erhalt erfolgversprechender, als aus lauter Begeisterung nach der ersten Begehung im Internet eine große Seite mit allen Standorten aufziehen.

Wir möchten uns damit für einen Vorrang für die Menschen vor Ort aussprechen.



7. Folgen einer Veröffentlichung für Abbauprozesse

Eine ganz andere Kategorie sind Schrotthändler und Sammler, die Einbauteile entfernen. Man kann nicht jeden Bunker in ein Museum verwandeln. Vergittern oder übererden verzögert zwar diese Abbauprozesse, ist aber auch für die Bunkerfreunde oft nicht hinnehmbar.
Anderseits müssen Händler und Sammler auch erstmal wissen wo sie suchen sollten. Es gibt soviel Bauwerke, das überblicken die genauso wenig wie wir. Eine vernünftige Informationspolitik der Bunkerfreunde was Öffentlichkeit anbelangt wird Abbauprozesse verzögern.

Bedenke, daß die Schrottpreise seit 2001 vervierfacht sind, je nach Schrottart bis zu über 1000€ pro Tonne bezahlt wird und deshalb viele Neulinge anlockt. Die lesen keine Bücher über Bunker aber freuen sich über simpel zugängliche Hinweise im Internet. Wenn Gullydeckel verschwinden, muß man sich über ausgebaute Schartenschieber nicht wundern. Übrigens werden in Polen Panzertüren, Schartenplatten und Türme gerne angeschnitten und somit furchtbar zerstört. Das kann hier im Westen bald auch passieren.




8. Veröffentliche mit Augenmaß

Manchmal setzen sich manche Beitragende in diesem Forum den Verdacht aus, sich selbst darstellen zu wollen, und mancher Leser hält sich mit seiner Kritik darauf zurück, weil er sich im Grunde genommen freut über die schönen Bilder. Aber mal ehrlich, ist uns dieses bißchen Spaß mehr wert als der Erhalt des jetzigen Zustandes eines Bauwerkes? Beiträge mit lauter schönen Bildern um zu zeigen wo man überall war und was man alles weiß ernten auch genug „Ohs“ und „Ahs“ wenn man auf den Ort und die WH-Nummer verzichtet.
Mit Bedauern haben wir manche Beiträge im Forum gelesen und wir würden es begrüßen, wenn im Forum mehr Zurückhaltung geübt würde bzw. Autoren für ihre offenherzige Beiträge kritisiert werden könnten, ohne daß dabei über den Kritiker mit dem Vorwurf der Geheimniskrämerei hergefallen wird.
Dabei wollen wir nicht falsch verstanden werden, wir fordern hier keine Zensur oder Geheimhaltung aber wir möchten klarstellen, daß man zu manchen Anlagen in einem öffentlich zugänglichen Forum besser schweigt und Ortsangaben, Koordinaten sowie BVA- oder WH-Nr besser nicht nennt, will man den derzeitigen Zustand erhalten. Natürlich könnte sich jeder die Karten besorgen, aber aus der Fülle von Bauwerken findet man so leicht noch nicht die Bauwerke, woraus sich was ausbauen ließe bzw. die man unbedingt beseitigen müßte. Man muß nicht unbedingt die Katze auf den Speck binden und Abbauprozesse mit Internetveröffentlichungen begünstigen und beschleunigen. Klar, man kann es auch andersrum sehen und argumentieren, daß man den Lauf der Dinge nicht aufhalten kann.



9. Dein Beitrag erreicht immer mehr Menschen als du jemals erwartest oder beabsichtigst

Dieses Forum ist sehr geeignet wenn es darum geht gemeinsam Themen auf zu arbeiten, interessante Fragen und ihre Antworten darauf zu lesen, Beiträge von denen man was lernt zu bestaunen und so entsteht dann nach und nach so etwas wie ein gemeinsames Nachschlagewerk. Aber wenn es nur bei Auflistungen von WH-Nummern und Trümmerbildern bleibt, finden wir das ehrlich gesagt noch nicht so interessant. Viele von uns würden sich gerne an solch einem Nachschlagewerk beteiligen, aber wollen wir das alles wirklich vor den Augen der gesamten Öffentlichkeit präsentieren? Manche von uns haben mit Veröffentlichungen sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen gemacht und können dennoch die Folgen einer solchen Veröffentlichung nicht vollständig überschauen. Wir denken es wäre naiv, ohne über Folgen nachzudenken einfach sehr detailliertes Wissen ins Internet zu stellen, und zu meinen, es könne eh nichts schaden, weil schon soviel in Büchern und im Internet geschrieben steht.
In allen Büchern zum Thema Westwall sind zusammen gezählt ein paar hundert Anlagen beschrieben. Viele davon existieren heute gar nicht mehr in dem beschriebenen Zustand, andere wurden mit Sorgfalt ausgesucht. Das hat alles gute Gründe und bedeutet nicht, daß man jeden Bunker im Internet beschreiben muß.
Genauso wenig sind Einträge von Bunkerhügeln in GoogleEarth ein Zeichen dafür, künftig alle Schranken auf zu heben und auch alle Ruinen rein zu stellen.
Gerade über den einen erhaltenen Bunker mit Panzer- und Einbauteilen den man beschreiben möchte, findet sich im Internet noch nichts. Ist das so schlimm? Man muß seine Existenz öffentlich nicht verschweigen aber ohne seine herleitbare Lage aus Ortsangaben, WH-Nummer oder listenmäßige Erfassung wird ein Beitrag nicht weniger interessant.



10. Positive Ausnahmen

Es gibt aber offensichtlich auch positive Ausnahmen, die dem Anschein nach mehr Öffentlichkeit vertragen. In der Zusammenfassung haben wir Kriterien aufgelistet, die helfen mit Besucherverkehr unverträgliche Situationen zu erkennen. Wir rufen sie nochmals in Erinnerung:
1) Ein Bauwerk ist anscheinend nicht in Privateigentum und obliegt Verkehrssicherungspflichten des Bundes.
2) Ein Bauwerk ist anscheinend in Privateigentum oder steht zumindest auf privatem Boden, ist kein Museum und du weißt nicht wer der Eigentümer ist und was er von Bunkern und Bunkerfreunden hält. (Haftungspflicht des Eigentümers.)
3) Es gibt noch Panzer- oder sonstige Einbauteile.
4) Die Bunker liegen in der Nähe von stark frequentierten Wandergebieten oder dicht besiedelten Wohngebieten. (Unkenntnis von Anwohnern und Behörden.)
Welches Kriterium dabei wenig oder viel Bedeutung beigemessen werden soll, wissen wir meistens nicht und ist regional stark unterschiedlich. Für solche Regionen möchten wir nachfolgend einige Beispiele geben.

Folgende Faktoren scheinen die Verträglichkeit positiv zu beeinflussen:
1) Das Fehlen von Anwohnern und aktiven (deutschen) Behörden in besonders dünnbesiedelten Gegenden. Damit wird die Bedeutung der Kriterien 1, 2 und 4 stark herab gesetzt. Das 3. Kriterium bleibt jedoch weiterhin aufrecht oder gewinnt gerade an Bedeutung weil Bunker in einsamen Gegenden oftmals mehr Panzer- oder sonstige Einbauteile aufweisen.
Beispiele für solche Gegenden sind Teile der Süd-Eifel, des Hunsrückes (LVZ-West) und des Schwarzwaldes, die noch immer keine Veröffentlichung von Standorten vertragen, jedoch dem Anschein nach bebilderte, großräumige Darstellungen in beschränktem Umfang verkraften.
2) Ausentwickelte, lokalen Initiativen, die in Bunkermuseen, Publikationen, Vorträgen und Führungen gemündet sind. Dies führt zu einer Art Kernbildung des Museumsbunkers und zu unterschiedlichen Effekten für Museumsbunker und ihre Umgebung:
Für den zu bestimmten Zeiten öffentlich zugänglichen Museumsbunker fallen alle Kriterien weg und der verträgt in der Regel bebilderte Veröffentlichungen mitsamt seines Standortes. Jedoch möchten wir anmerken, daß manche Museumsbetreiber sich mehr über Besucher an solchen Tagen im Bunker freuen, als über eine Vielzahl von Bildern im Internet, die vielleicht ein Besuch für manche potentielle Besucher ersetzen könnten.
Für die Umgebung wird nur die Bedeutung des 4. Kriteriums herab gesetzt, alle andere bleiben aufrecht.
Beispiele sind die Saarstellung bei Besseringen und Dillingen oder die Neckar-Enz-Stellung bei Bietigheim und Gundelsheim, die wesentlich mehr Besucherverkehr verkraften ohne ungewollte Reaktionen der Anwohner und der lokalen kommunalen Verwaltung hervor zu rufen.
Obwohl begrüßenswerte bekannte Veröffentlichungen auf Papier sogar Karten mit Standorten enthalten, sind wir der Meinung, daß diese Karten und bebilderte Veröffentlichungen von Standorten nichts im Internet verloren haben, weil die übrigen Kriterien nach wie vor aufrecht bleiben und das Publikum ein wesentlich größeres und anderes ist. Das gilt auch für webbasierte, öffentliche kartographische Systeme wie GoogleEarth.

Dann gibt es noch eine ganze Reihe von Faktoren, die meisten nur die Bedeutung des 1. Kriteriums herabsetzen:

3) Die Bauwerke liegen außerhalb Deutschlands. Das setzt die Bedeutung des 1. Kriteriums herab, jedoch wird in den Nachbarländern unterschiedlich hiermit umgegangen und ist uns die juristische Situation einfach nicht vollständig bekannt. Unsere Annahme ist, daß Verkehrssicherungspflichten im gesamten europäischen Raum bestehen, sie jedoch weniger streng formuliert und gehandhabt werden als in der BRD.
Bedenke, daß die übrigen Kriterien weiterhin aufrecht bleiben und gerade in jüngster Zeit an Bedeutung gewinnen.
Bekannte Beispiele sind die Spichernstellung bei Saarbrücken auf französischem Boden und die Ostbefestigungen auf polnischem Boden. Eigentlich müßte man aber sämtliche neuzeitliche Befestigungen im europäischen Raum hiermit betrachten. Sie vertragen in unterschiedlichem Umfang eine mit Vernunft geführte bebilderte Veröffentlichung von Standorten, die besonders Rücksicht auf das 3. Kriterium nimmt.
4) Die Bauwerke obliegen einem behördlichen Schutz. Dieser Fall kommt oftmals sehr unterschiedlich und schwierig erkennbar zur Geltung:
- Im Saarland greift diese seit einigen Jahren für erhaltene Bunker, jedoch (noch) nicht für die Ruinen. Bebilderte Veröffentlichung, je nach Beurteilung des 4. Kriteriums mit oder ohne Standort aber immer mit Berücksichtigung des 3. Kriteriums scheint hier gut zu funktionieren.
- In Baden-Württemberg gibt es einen Denkmalschutzstatus für die Westbefestigungen, die Bunker gegen undokumentierten Abbruch schützt. Das hat aber kein einziges Kriterium gelockert.
- In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist der unterschiedliche Erhaltungszustand von 2005 von Gemeinde zu Gemeinde manchmal auf die kommunale Verwaltung zurück zu führen, die sich für oder gegen den Erhalt ausgesprochen hat. Im ersten Fall kann jede Gemeinde als Grundstückseigentümerin der BImA die Beseitigung von (bundeseigenen) Bunkern dadurch längerfristig verwehren, indem ihr das Betretungsrecht mit schwerem Gerät abgesprochen wird.
- In Rheinland-Pfalz greift seit 2004 ein Ministerialerlaß des Umweltministeriums, der Ruinen aus Gründen des Artenschutzes schützt. Das hat aber kein einziges Kriterium gelockert.
- Einige noch relativ vollständig vorhandene Stellungsabschnitte des Westwalls liegen in Naturschutzgebieten, mit Regeln die anscheinend vor Beseitigung geschützt haben. Allerdings könnte sich das jederzeit ändern und wieviel weniger Bedeutung das erste Kriterium hier behält, müßte man wohl von Fall zu Fall mit den zuständigen Behörden klären. Wahrscheinlich führt ein erfolgversprechender Weg über den Dialog mit BImA, Naturschutzverbänden und Denkmäler und Umwelt schützende Behörden.
- Bundesweit verwaltet die Bundeswehr Übungsplätze mit beschränkten öffentlichen Zugangsmöglichkeiten, die aber Bunker enthalten wofür oftmals alle Kriterien wegfallen.
5) Die Bauwerke wurden vom Bund in private Hände übereignet. In diesem Fall wird ausschließlich die Bedeutung des ersten Kriteriums herab gesetzt, alle andere sind sogar wesentlich kritischer geworden. Beispiele sind die Wetterau-Main-Tauber-Stellung und die Neckar-Enz-Stellung.
6) Die Bauwerke wurden beseitigt durch Abbruch oder Übererdung. Das ist natürlich ein trauriger Faktor, der sich erwartungsgemäß positiv auf das 1. Kriterium und leider auch herab setzend auf das 3. Kriterium auswirkt. Solche Bauwerke vertragen durchaus bebilderte Veröffentlichungen von Standorten, wenn auch weniger interessant. Trotzdem wissen besonders die Bunkerfreunde in Nordrhein-Westfalen, daß trotz der Beseitigung der Bunker ein Besuch der Höckerlinien in der Nordeifel lohnenswert ist und man trotzdem noch den einen oder anderen vergessenen Bunker findet, worüber sinngemäß praktisch nicht veröffentlicht wird.

Diese Faktoren überlagern sich begünstigend für manche Fälle aber innerhalb einer beispielhaften Region gibt es auch wieder Negativbeispiele. So besehen bleibt hier wieder nur eins: Veröffentliche nur mit Vernunft.



11. Umfassende Veröffentlichungen in einem öffentlichen Forum


Wir sind der Meinung, daß ein öffentliches Forum eben keine gute Plattform für umfassende Veröffentlichungen ist, worin detaillierte Dokumentationen zu einzelnen Bauwerken oder lange Auflistungen der einzelnen Bauwerken fast eine gesamte Stellung beschreiben. Einerseits der Übersichtlichkeit wegen, andererseits ist ein Forum dafür eigentlich nicht gedacht. Für so etwas kann man Datenbanken anlegen oder schöne Bücher schreiben, wobei man dann monatelang über seine Texte nachdenkt. Wohl kaum jemand denkt monatelang über einen Forumsbeitrag nach oder ändert ihn zigmal ab, oder? Eben weil es ein Forum ist, kann jedermann alles lesen und nutzen. Das kann man weder dem Betreiber noch den Benutzern übel nehmen. Nun, man kann den Lauf der Dinge nicht aufhalten. Wenn schon in diesem Forum, dann nicht in hundert andere Foren. Aber gerade dieses Forum entwickelt sich zu einem der größten auf diesem Gebiet.
Wir sind davon überzeugt, daß diese Diskussion nicht so schwarz-weiß ist und nur um die Wahl zwischen totaler Verschlossenheit einerseits und vollständiger Offenheit andererseits drehe, wir sehen hierin Nuancen die man nutzen sollte. Es ist in diesem Umfeld kaum möglich und auch nicht gewollt immer überall Regel aufstellen zu wollen. Trotzdem kann man einen der mehrheitlichen Meinung entsprechenden Leitfaden aufstellen, damit nicht jeder Autor oder (neues) Forumsmitglied dauernd das Rad neu erfinden muß.

Unser Vorschlag ist folgendes:

12. LEITFADEN ZUM UMGANG MIT DER ÖFFENTLICHKEIT IN FORUMSBEITRÄGEN UND VERÖFFENTLICHUNGEN IM ALLGEMEINEN

- Überdenke die Folgen deiner Veröffentlichung. Egal ob Foren, Webseiten, Artikel oder Bücher, alle öffentlich zugängliche Quellen erreichen mehr Publikum als du als Autor jemals erwartest und beabsichtigst. Bedenke, daß öffentliche und private Grundstückseigentümer selten gerne ihre Grundstücke oder Bunker darauf im Internet abgebildet sehen.

- Auf die Nennung von genauen Ortsangaben, Koordinaten, BVA- und WH-Nummer (weiterhin) zu verzichten, es sei denn, die Kriterien aus der Zusammenfassung treffen nicht zu. Das kann der Fall sein, wenn man sich mit dem Grundstückseigentümer oder Besitzer abgesprochen hat UND immer nur in Kombination mit mindestes einem der folgenden Fällen:
- - - weil eine Anlage beseitigt wurde,
- - - nichts mehr Sammelbares vorhanden ist oder
- - - Denkmalschutz gewährt wurde.

- Großräumige, detaillierte Beschreibungen und listenmäßige Darstellungen von Befestigungssystemen sind in einem öffentlichen Forum schlecht aufgehoben. Überdenke ihre Veröffentlichung auf Webseiten oder Papier immer gut und lasse bei Zweifel bestimmte Abschnitte, Anlagen oder Details erstmal lieber weg.

- Als Aushängeschild tut es eine beschränkte Veröffentlichung auch (z.B. über eine Anlage anstelle von gleich hundert). Aufrecht interessierte Menschen finden den Weg zu den umfassenden Datenbeständen des Autors so auch. Das ist zwar etwas langsamer und gar nicht schlecht.

- Falls man als Autor doch umfassende Veröffentlichungen angehen möchte, lohnen sich vorangehende Experimente mit einer Verteilung innerhalb des eigenen Bekanntenkreises über lose Dokumente oder Links per Epost. Anerkennung erhält man dort mehr als aus dem Kreis der vielen
anonymen Lesern einer Internetseite.

- Umfassende Veröffentlichungen sollten in der Regel erst für die Menschen, die im Umfeld der beschriebenen Objekten wohnen und verwalten bestimmt sein und erst später für die überregionalen Öffentlichkeit. Also: Erst gründlich dokumentieren, Kontakt zu den Eigentümern suchen, dann auf dieser Basis auf lokaler Ebene Vorträge, kleine Veröffentlichungen und Führungen veranstalten. Erst wenn die Anwohner und die Gemeindeverwaltung begriffen haben, daß Bunker wertvolle Denkmäler sind, kostbare Biotope enthalten und niemand Bunkerfreunde fürchten muß, kann der Erhalt auf lange Sicht gesichert werden. Erst dann sollte eine umfassende Veröffentlichung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und werden Bunkerfreunde aus aller Welt als gerne gesehene Gäste empfangen. Natürlich braucht das seine Zeit und kostet auch eine Menge Arbeit.

- Niemand wird verpflichtet das so zu machen und wer einfach Bunker bestaunen möchte, sollte das weiterhin machen können. Wer Fragen zu bestimmten Anlagen hat, kann diese immer im Forum stellen aber mach das mit Vernunft. Der hier beschriebene Weg ist für den dauerhaften Erhalt der Bauwerke wesentlich erfolgversprechender, als gleich nach der ersten Begehung aus lauter Begeisterung eine große Internetseite mit Bildern von Standorten aufziehen.

- Ein öffentliches Forum über dem Westwall ist nur bedingt dafür geeignet aller Welt zu zeigen wo man am vergangenen Wochenende gewesen ist und was man dabei alles gesehen hat. Das ist als ob man am Kölner Hauptbahnhof Plakate mit seinen Bildern aufhängt. Ein Forum ist allerdings eine wunderbare Plattform um Neuigkeiten über aktuelle Entwicklungen auszutauschen, um Fragen über Details zu stellen und um Themen gemeinsam zu diskutieren. Diese Auflistung ist damit bestimmt nicht erschöpfend aber wir empfehlen alle Nutzer dieses Forums diese Potentiale zu nutzen. Die allermeisten Beiträge im Forum zeigen, daß ihre Autoren diese Grundsätze schon lange beherzigen.

Falls dieser Leitfaden dazu führen würde, daß niemand mehr über dem Westwall schreibt, hätten wir unser Ziel gänzlich verfehlt. Wir möchten Veröffentlichungen gerade fördern, jedoch Forumsmitgliedern und Autoren im Allgemeinen zeigen, mit welcher Komplexität das Thema Öffentlichkeitsarbeit an neuzeitlichen Befestigungen besonders in Deutschland verbunden ist und ausdrücklich Hilfestellung und Diskussionsbereitschaft anbieten. Jeder ist herzlich eingeladen sich mit seinen Fragen und Zweifeln an uns zu wenden.

16.06.2008

Klaus Backes Bernd Chodera
Thomas Eck Bernd Pietsch
Alexander Stein David Stritzinger
Walter Stutterich Torsten Thal
Peter Waltje Patrice Wijnands


Aktualisiert 31.05.2014

Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Patrice« (31. Mai 2015, 20:53)


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Freitag, 4. Juli 2008, 13:51

Damit die Regeln in einer zwangsläufig entstehenden Disskussion darüber nicht untergehen, habe ich den Thread geschlossen, und bisherige Postings in den Smalltalkbereich verschoben.

Das heisst hier gehts weiter -> Disskussionsthread zu den Hinweisen zur Berichterstattung

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Patrice« (7. Februar 2014, 22:23)