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Sonntag, 2. April 2017, 12:41

Karte Ettlinger Riegel

Liebes Forum!

Für meine Nachforschungen am Ettlinger Riegel brauche ich unbedingt historisches Kartenmaterial zu folgenden Punkten:
1. Wo genau waren die Bunker und Hockerlinien, die Panzergräben und die rückwärtige Luftverteidigung?
2. Was war der Verteidigungsplan?
3. Wie waren die Ortschaften (Mörsch und Malsch) in die Verteidigung eingebaut?

Wie nennt man solche Karten?
Bekommt man sie eventuell beim Militärarchiv in Freiburg?
Wie geht man in diesem Fall genau vor?

Gestern machte ich eine interessante Entdeckung auf einer "Familienfahrradtour":
Unweit zweier Bunker des Ettlinger Riegels befindet sich vorgelagert in Verteidigungsrichtung ein Hochwasserdamm. Der ist zwar historisch, aber heute noch funktional. Zwischen dem Damm und den Bunkern befindet sich eine Fahrstraße und ein Entwässerungsgraben. Über den Graben führen im Abstand von jeweils ca. 100 m Betonbrücken, die die Straße mit den Bunkerhügeln verbinden. Auf einer Brücke steht (was ich entziffern konnte, Foto zu groß und zu schlecht zum Hochladen):
"Erbaut {im Rahmen?} des Arbeitsprogramm des Führers 1935". Ich hatte keine Stiefel dabei und konnte deswegen nicht in den Kanal rein, das Foto mit dem Handy gibt leider nicht viel her.
Auf dem zweiten Foto seht ihr die nächste Brücke. Die Inschrift ist viel besser lesbar. Was heißt das?
Mein spontaner Tipp ist "3. Karlsruher Festungsbaubatallion 40, 1941"

Meine Theorie: Schon 1935 im Rahmen eines "Arbeitsbeschaffungsprogramms" für die vielen Arbeitslosen in Deutschland hatte die Reichsregierung konkrete Pläne für den Bau des Ettlinger Riegels. Die Parallelität und die Ausrichtung der beiden Bauformen (Entwässerungskanal mit Damm als Hindernis und hintergelagerte Bunker) in unmittelbarer Nähe zueinander weisen konkret daraufhin. Hitler hat also schon 1935 (und damit vor dem Limesbauprogramm!) zivile Arbeitskräfte instrumentalisiert um militärische Vorarbeit zu leisten. Somit ist die Brücke ein sehr wertvolles Bauwerk (obwohl klein und unscheinbar) und muss unbedingt denkmalgeschützt werden.

Ich bin für alle eure Feedbacks dankbar. Da ich zum ersten Mal Fotos und Beschreibungen poste auch dazu: Okay so? Unkenntlich und unbestimmt genug?
Freu mich auf Response

Festus
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2

Sonntag, 2. April 2017, 18:02

Festus !

Wohl eher 3. (Kompanie)/ Festungs-Bau-Bataillon 40. Im Netz gibt es eine ganze Menge über diese Einheit.

Hanni

3

Sonntag, 2. April 2017, 18:53

Richtig, hört sich besser an! schilder_38.gif

pierre1978

Fortgeschrittener

Beiträge: 356

Wohnort: Nähe Neunkirchen

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4

Montag, 3. April 2017, 10:18

Hallo und herzlich Willkommen hier im Forum!


Für meine Nachforschungen am Ettlinger Riegel brauche ich unbedingt historisches Kartenmaterial zu folgenden Punkten:
1. Wo genau waren die Bunker und Hockerlinien, die Panzergräben und die rückwärtige Luftverteidigung?
2. Was war der Verteidigungsplan?
3. Wie waren die Ortschaften (Mörsch und Malsch) in die Verteidigung eingebaut?

Wie nennt man solche Karten?
Bekommt man sie eventuell beim Militärarchiv in Freiburg?
Wie geht man in diesem Fall genau vor?


Stellungskarten für den Ettlinger Riegel findest Du im Militärarchiv in Freiburg.
Hier z.B. im Bestand BArch Kart 932-9/, hier die Kartenblätter 7015, 7016 und 7116. Aber beachte, das Kartenblattt 7015 ist in diesem Bestand zwei mal vorhanden. Auf einer Karte sind die Bauwerke westlich des Rheins (Karte Nr. 93) verzeichhnet, auf der anderen Karte die Bauwerke ostwärts des Rheins (Karte Nr.93a). Du brauchst also die mit der Kartennumer 93a.


Meine Theorie: Schon 1935 im Rahmen eines "Arbeitsbeschaffungsprogramms" für die vielen Arbeitslosen in Deutschland hatte die Reichsregierung konkrete Pläne für den Bau des Ettlinger Riegels. Die Parallelität und die Ausrichtung der beiden Bauformen (Entwässerungskanal mit Damm als Hindernis und hintergelagerte Bunker) in unmittelbarer Nähe zueinander weisen konkret daraufhin. Hitler hat also schon 1935 (und damit vor dem Limesbauprogramm!) zivile Arbeitskräfte instrumentalisiert um militärische Vorarbeit zu leisten. Somit ist die Brücke ein sehr wertvolles Bauwerk (obwohl klein und unscheinbar) und muss unbedingt denkmalgeschützt werden.


Soweit Deine Theorie, welche so auch plausibel klingt, ist aber anders zu beurteilen.

Der Wunsch nach einer Landesverteidigung im Westen entlang der Grenze des Deutschen Reichs von 1919 entstand bereits in den 20ziger und frühen 30ziger Jahren, als die Nationalsizialisten noch nicht an der Macht waren. An der Ostgrenze z.b. begann man 1921 bereits mit Erkundungen der Oder- und Oder-Warthe-Stellung. Dort begann man im bescheidenen Umfang zwischen 1925 und 1930 wieder mit dem deutschen Festungsbau nach Unterzeichnung der Versailller Verträge.

Im Westen sah das jedoch anders auch. Auch nach der Machtergreifung Hitlers 1933 respektierte man die entmilitraisierte Zone des Rheinlands im vollen Umfang. Erst am 22. Februar 1936 gab man den Befehl zur getarnten Erkundung zum Bau einer Landesbefestigung innerhalb der entmilitarisierten Zone. Erst mit dem Einmarsch der Wehrmacht in die entmilitarisierte Zone am 07. März 1936 und der Kündigung des Vertrags von Locarno nahm man konkrete Planungen zum Bau des Ettlinger Riegels vor. Mit dem Bau des Riegels wurde dann auch zügig im Jahr 1936 noch begonnen.

Die Reichsregierung hatte mit der Planung des Ettlinger Riegels sowie dem Bau der Landesverteidigung West im Jahr 1936, anders als in den späteren Jahren, nichts mit der Gestaltung der Landesbefestigung zu tun. Das war einzig und alleine die Angelegenheit des Heeres.

Auch das Limesprogramm ab Mai 1938 hat nichts mit der Hinzuziehung oder wie du es beschreibst der "Instrumentalisierung" von zivielen Arbeitskräften zu tun. Das Heer plante von Beginn an mit der Auftragsvergabe von Bauarbeiten an zivile Bauunternehmen unter strengen Sicherheitsbestimmungen. Der Grund für das Limesprogramm war die Sudetenfrage. Hier spielten die Planungen des "Fall Grün" eine Rolle. Tschechien erwartete einen Angriff des Deutschen Reiches. Da Tschechien mit Frankreich verbündet war, befürchtete man einen Zweifrontenkrieg. Deshalb mussten mehrere tausend Bunkeranlagen entlang der Westgrenze innerhalb weniger Monate entstehen. Hier griff dann auch Hitler aktiv in die Planungen ein.

Hier in Deinem konkreten Fall ist es von daher anders herum zu beurteilen. Der Damm mit den Brücken wurde 1935 erbaut. Bei der Erkundung zum Bau der Westbefestigung erkannte man diese eventuell als Hinderniss o.ä. und bezog diese mit in den Stellungsbereich mit ein.


Ich bin für alle eure Feedbacks dankbar. Da ich zum ersten Mal Fotos und Beschreibungen poste auch dazu: Okay so? Unkenntlich und unbestimmt genug?
Freu mich auf Response


Finde ich gut so :thumbup:

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Montag, 3. April 2017, 17:37

Super. danke für die Antwort, Pierre. Da sieht man mal wieder, dass man durchaus auch falsch liegen kann, auch wenn es noch so wahrscheinlich ist. Stimmt, "anders herum" ergibt es ja auch seinen Sinn. Sehr interessant auf jeden Fall, dein Feedback.
Gruß ins schöne Saarland!

6

Montag, 3. April 2017, 17:39

und PS: nette Website. Kommen da auch noch mal Inhalte rein :D :D :D

pierre1978

Fortgeschrittener

Beiträge: 356

Wohnort: Nähe Neunkirchen

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7

Montag, 3. April 2017, 17:54

und PS: nette Website. Kommen da auch noch mal Inhalte rein :D :D :D


Ganz bestimmt. Das macht aber unser Webmaster.
Ehrenamtliche Arbeit braucht halt leider Geduld und Zeit.

Super. danke für die Antwort, Pierre. Da sieht man mal wieder, dass man durchaus auch falsch liegen kann, auch wenn es noch so wahrscheinlich ist. Stimmt, "anders herum" ergibt es ja auch seinen Sinn. Sehr interessant auf jeden Fall, dein Feedback.
Gruß ins schöne Saarland!


Wichtig ist, dass Du einen Zusammenhang der Bauwerke erkennen konntest. Der Rest ist halt Forschungsarbeit, bzw. gehört auch immer etwas Glück dazu, Unterlagen o.ä. zu seinen Fragen zu finden.

Nordbadener

Anfänger

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Wohnort: Im Norden von BaWü

Beruf: Notwendiges Übel zur finanzierung der Hobbys.

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8

Dienstag, 9. Mai 2017, 17:35

7015

Bei mir sind auf der 7015 auf beiden Seiten den Flusses Bauten eingezeichnet.
Ist aber der andere Bestand.
Hat jemand Interesse die gegenseitig zu tauschen?

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