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Rico81

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1

Sonntag, 26. August 2012, 12:49

Zwangsarbeit am Westwall

Hallo alle zusammen,

Ich weiß, den ein oder anderen wird diese Tatsache nicht gefallen, aber wir wissen alle, dass das Thema Westwall politisch äußerst belastet ist.
Seit längerer Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Zwangsarbeit, da von vielen Buchautoren diese Arbeit immer wieder in den Mittelpunkt gerückt wurde. Doch leider fiel es mir schwer genau Zahlen zu ermittel, da alle für mich einsehbaren Quellen nur ungenügende oder keine Angaben über die Zwangsarbeit im Zusammenhang mit dem Westwall lieferten.

Mit Zwangsarbeit meine ich persönlich, arbeiten die von KZ-, Sonderlager- oder Zuchthaushäftlingen wie auch Kriegsgefangen durchgeführt wurden.

In die Zwangsarbeit beziehe ich keine Personen ein, die auf Grund der "Verordnung zur Sicherstellung des Kräftebedarfs für Aufgaben von besonderer Staatspolitischer Bedeutung vom 22. Juni 1938" für arbeiten herangezogen wurden.

Ich würde mich sehr über Hilfe freuen. Und bei Angaben bitte die Quellen nennen, für eine Objektive Betrachtung der Tatsachen.

Mit vielen Grüßen
Rico

mhitzler

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2

Sonntag, 26. August 2012, 13:16

Re: Zwangsarbeit am Westwall

Eine kurze suche in diesem Internet bringt mich z.b. zum SS-sonderlager KZ Hinzert, das ich persönlich aus meinen trierer Zeiten gut kenne.
Nimm doch mal hier Kontakt auf:
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.gedenkstaette-hinzert-rlp.de/">http://www.gedenkstaette-hinzert-rlp.de/</a><!-- m -->

Gruss
Michael

Rico81

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3

Sonntag, 26. August 2012, 13:30

Re: Zwangsarbeit am Westwall

Hallo Michael ... Merci für den Tipp.

Wenn ich Infos erhalten ... setzte ich sie gerne hier rein.

Grüße Rico

treemaster

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4

Sonntag, 26. August 2012, 20:55

Re: Zwangsarbeit am Westwall

Obwohl es hier bei mir gewissermaßen direkt vor der Haustüre liegt, habe ich es bislang nicht geschafft, die Gedenkstätte für "Goldfisch und Brasse" anzusehen. Den Pfad und die vergitterten Eingänge kenne ich..... :roll:

mhitzler

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5

Sonntag, 26. August 2012, 22:44

Re: Zwangsarbeit am Westwall

Ich empfehle dir noch den Wiki-Artikel zum Westwall; demnach hatte das Lager Hinzert durchaus eine wichtige Bedeutung für den Westwallbau, wobei es wohl auch als Zwangslager für "aufmüpfige" Verpflichtete für den Westwallbau diente.

Saska

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6

Montag, 27. August 2012, 20:31

Re: Zwangsarbeit am Westwall

Zitat von »"Rico81"«

Hallo alle zusammen,

Ich weiß, den ein oder anderen wird diese Tatsache nicht gefallen, aber wir wissen alle, dass das Thema Westwall politisch äußerst belastet ist.
Seit längerer Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Zwangsarbeit, da von vielen Buchautoren diese Arbeit immer wieder in den Mittelpunkt gerückt wurde. Doch leider fiel es mir schwer genau Zahlen zu ermittel, da alle für mich einsehbaren Quellen nur ungenügende oder keine Angaben über die Zwangsarbeit im Zusammenhang mit dem Westwall lieferten.

Mit Zwangsarbeit meine ich persönlich, arbeiten die von KZ-, Sonderlager- oder Zuchthaushäftlingen wie auch Kriegsgefangen durchgeführt wurden.

In die Zwangsarbeit beziehe ich keine Personen ein, die auf Grund der "Verordnung zur Sicherstellung des Kräftebedarfs für Aufgaben von besonderer Staatspolitischer Bedeutung vom 22. Juni 1938" für arbeiten herangezogen wurden.

Ich würde mich sehr über Hilfe freuen. Und bei Angaben bitte die Quellen nennen, für eine Objektive Betrachtung der Tatsachen.

Mit vielen Grüßen
Rico


Es dürfte hierzu nicht gerade einfach sein genau Zahlen zu ermitteln, denn ein deratiger Einsatz von Zwangsarbeitern am Westwall fand ja hauptsächlich bei der Wiederarmierung des Westwalls Ende 1944 bis ins Frühjahr 1945 statt. Die Aktenlage zu dieser Zeit ist recht löchrig und oft werden Zahlenangaben zu Kräftestärken selten unterteilt aufgeführt sondern ganz allgemein gehalten.

Im Zeitraum ab September 1939 bis Juni 1940 dürfte in der Richtung vermutlich gar nicht so viel passiert sein denke ich mal, denn so viele Zwangsarbeiter standen ja zu der Zeit noch gar nicht zur Verfügung und er Westwall war in dem Zeitraum ja bereits mit Truppen besetzt.

Soll sich das auf den Westwall im allgemeinen beziehen oder nur auf einen lokalen Bereich beschränken?

Grüße Saska
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Hülse

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7

Montag, 27. August 2012, 21:27

Re: Zwangsarbeit am Westwall

Ich hab irgendwo in meinem Archiv ne Liste mit Zwangsarbeitslagern. Wenn ich mich recht erinnere sind da einige Standorte im Bereich des Westwalls dabei.

Rico81

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8

Dienstag, 28. August 2012, 00:03

Re: Zwangsarbeit am Westwall

Hallo Freunde,

Erst einmal vielen Dank, für die vielen Tipps!
Ich werde versuchen, jeder Spur einmal genau hinterher zu gehen. Des Weiteren wenn noch nicht geschehen werde ich weiter Verbände anschreiben, die sich ebenfalls mit dieser Thematik beschäftigen.

Zitat von »"Saska"«

Es dürfte hierzu nicht gerade einfach sein genau Zahlen zu ermitteln, denn ein deratiger Einsatz von Zwangsarbeitern am Westwall fand ja hauptsächlich bei der Wiederarmierung des Westwalls Ende 1944 bis ins Frühjahr 1945 statt. Die Aktenlage zu dieser Zeit ist recht löchrig und oft werden Zahlenangaben zu Kräftestärken selten unterteilt aufgeführt sondern ganz allgemein gehalten


Ja das stimmt! Während des Baues von 1936-1940 habe ich einen Vermerk gefunden, dass die Arbeiten nur von unbelasteten Personen durchgeführt werden durfte. Ist bis jetzt aber auch nur die Info eines Heimatvereines.

Für mich ist auch immer die Frage, wer wird genau von den Buchautoren als Zwangsarbeiter benannt?

Schwierig wird es ja schon, wenn der Autor Kriegsgefangene mit einbezieht. Die POWs Prisoner of War, durften laut den Kriegskonventionen zu arbeiten herangezogen werden. Die Bestimmung hat sogar heute noch bestand und stellt keine völkerrechtswidrige Handlung dar. Diese Regelung sieht vor, Offizier sind von Arbeiten jeglicher Art befreit und stellen das Bindeglied zwischen Lagerführung und Lagerinsassen dar. Soldaten im mittleren Dienst (Feldwebel) habe die Funktion der Aufsicht und Anleitung der Arbeitskräfte. Für Arbeiten herangezogen werden dürfen Soldaten im einfachen Dienst sprich Mannschaftssoldaten und im besonderen Fall auch Unteroffiziere o.P. .

Das es gegen Ende des Krieges drunter und drüber ging ist wohl fast für jeden nachvollziehbar und es ist auch vorstellbar, dass für die Wiederherstellung des Westwalls wirklich alle verfügbaren Kräfte herangezogen wurde. Aber die Frage ist halt wie viel? Für sämtliche anderen Teile, wie die Festungspioniere, die OT, RAD-Personal ... etc. gibt es verlässliche angaben. Nur über die Zwangsarbeit ist fast nichts zu finden.
In der Saarbrücker Bib. ist eine Promotion über das Thema Zwangsarbeit im Saarland einzusehen, dieses etwa 300 seitenlange Werke widmet dem Westwall in diesem Zusammenhang genau 1 Satz. Die Masse der Zwangsarbeiter wurde in der Industrie im Saarland eingesetzt.

Ich bin daher für jede Information über dieses Thema dankbar.

Grüße Rico

Saska

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9

Dienstag, 28. August 2012, 11:11

Re: Zwangsarbeit am Westwall

Zitat von »"Rico81"«



Ja das stimmt! Während des Baues von 1936-1940 habe ich einen Vermerk gefunden, dass die Arbeiten nur von unbelasteten Personen durchgeführt werden durfte. Ist bis jetzt aber auch nur die Info eines Heimatvereines.



Hallo Rico81

Diese Info des Heimatvereins kann bestätigt werden.

Das ganze wurde durch die sogenannte Festungspionierdienstordnung geregelt, welche in Form der HDv (Heeresdienstvorschrift) 317 am 6. Mai 1936 in Kraft trat. Darin wurde festgelegt wer denn überhaupt am Westwall arbeiten durfte.

Martin Büren und Dieter Bettinger gehen darauf im Band 1 ihres Buches "Der Westwall" auf Seite 45 - 51 genauer ein. So heißt es hierzu:

"Die Mitarbeiter müssen die deutsche Staatsangehörigkeit nachgewiesen haben und nach ihrem Vorleben sowie ihrer politischen Einstellung als zuverlässig bekannt sein. Ausgeschlossen von der Einstellung sind Personen:
a) unter 18 Jahren
b) Trinker und beschränkt Zurechnungsfähige
c) ehemalige Funktionäre der KPD und SPD sowie Personen, deren nationale Zuverlässigkeit zweifelhaft ist,
d) ehemalige Fremdenlegionäre,
e) Personen, die weniger als 10 Jahre in Deutschland ununterbrochen ansässig und polizeilich gemeldet sind,
f) erheblich oder wegen ehrenrühriger Delikte vorbestrafte Personen,
g) Ausländer."


Somit verbleibt zeitlich gesehen der Schwerpunkt eines Einsatzes von Zwangsarbeitern am Westwall im Zeitraum Herbst 1944 bis Frühjahr 1945 als man eben wie bereits erwähnt, alles nur verfügbare mobilisierte.

Zum Teil war die Überwachung dieser Arbeiten auch Sache der damaligen Polizei sowie von Organen der Partei. Normalerweise finden sich dann Akten zu diesen Stellen (wenn diese Schriftstücke denn das Kriegsende überstanden haben) im jeweiligen Landesarchiv des einzelnen Bundeslandes. Beispielsweise fand ich im Generallandesarchiv Karlsruhe derartige Akten in welchen von russ. Kriegsgefangenen berichtet wird, welche eben am Westwall zum Schanzen eingesetzt wurden.

Wäre ich an Deiner Stelle, würde ich mich im zuständigen Landesarchiv Deiner Umgebung umsehen und dort mit der Suche beginnen.

Grüße Saska
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treemaster

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10

Dienstag, 28. August 2012, 11:26

Re: Zwangsarbeit am Westwall

Zitat von »"Saska"«

.....
b) Trinker und beschränkt Zurechnungsfähige ....

[Jux an]
sehe ich das richtig, dass 98% von uns keine Zulassung zum Bau bekommen hätten? :mrgreen: [Jux aus]

Saska

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11

Dienstag, 28. August 2012, 11:56

Re: Zwangsarbeit am Westwall

Zitat von »"treemaster"«

Zitat von »"Saska"«

.....
b) Trinker und beschränkt Zurechnungsfähige ....

[Jux an]
sehe ich das richtig, dass 98% von uns keine Zulassung zum Bau bekommen hätten? :mrgreen: [Jux aus]


essen_4.gif schokiert_26.gif kranke_19.gif Häääää? Wieso denn.... schilder_13.gif
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Stutta

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Freitag, 14. September 2012, 18:14

Re: Zwangsarbeit am Westwall

Ich kann mir nicht vorstellen das 39-40 Kriegsgefangene in nennenswerten Zahlen am WWbau teilnehmen mußten. 44-45 ja da sich sehr viele Zwangsarbeiter eingesetzt worden aber auch Frauen und Kinder. Für letztere gab es sogar kleinere Pickel. Die Behandlung der Deutschen war im übrigen kaum besser. Die Parteibonzen waren unerbittlich. Zahle der politischen Bildung zu diesem Thema sind mit Vorbehalt zu gebrauchen.

Stutta

Rico81

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13

Sonntag, 23. September 2012, 13:41

Re: Zwangsarbeit am Westwall

Hallo Freunde,
und ganz besonders Saska der mir ein gutes Stück weitergeholfen hat.

In meinen ganzen Recherchen musste ich aber feststellen, das Thema Zwangsarbeit in Bezug auf den Westwall ist bis jetzt genauso stiefmütterlich behandelt worden, wie so manch anderes Thema was mit dem Festungsbau zu tun hat.

Oft besteht das Problem ja schon dabei, dass es für viele Forscher und Hobbyhistoriker keinen Unterschied zwischen Zwangsarbeiten, Kriegsgefangen und Kriegsgefangen die zur Zwangsarbeit gezwungen wurden besteht.

Im Saarland wie auch den anderen Bundesländern gab es die bekannten Russenlager. In diesen Lagern wurden russische Kriegsgefangene für Landwirtschaftliche arbeiten interniert. Was nach dem Genfer Abkommen III Artikel 49-57 auch völlig legitim war. Deutsche Kriegsgefangene arbeiteten gemäß dieses Abkommens ebenfalls in der amerikanischen Landwirtschaft, da vor allem auf den Baumwollfeldern.
Das Wort Zwangsarbeit kommt aber dann direkt ins Spiel, wenn die Kriegsgefangen in der Rüstungsindustrie eingesetzt waren oder sie für ihre Arbeit keinen Lohn erhielten.
Weiter hinzukommt, dass in Polen, Russland, der Ukraine, Zivilisten für die Arbeiten in Deutschland abgeworben wurden, hierfür gab es auch besondere Erlasse die das Verhalten und den Umgang der Arbeiter genau reglementierten, als Beispiel der Polen-Erlass.

In Bezug auf die Sonderlager wie das GeStaPo-Lager Neue-Bremm habe ich bis jetzt nur herausgefunden, dass im Zusammenhang mit dem Westwall unwillige Arbeiter dort inhaftiert wurden.

Nun gut, ob jemals eine genau Zahl veröffentlicht werden kann wird fraglich sein.
Ich werde aber mal dieses Thema weiter im Auge behalten und bin natürlich über jegliche Art der Hilfe dankbar.

Viele Grüße Rico