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1

Sonntag, 13. Juni 2010, 18:19

Für meine Prüfungsarbeit: Linien am Westwall

Hallo,

ich finde nichts im Internet über die Linien am Westwall also als Beispiel

dass am Rhein zuerst Kampfbunker und dann in zweiter Linie Artilleriebunker sind.

Wie sieht das am Westwall aus ?

Grüße

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2

Sonntag, 13. Juni 2010, 19:59

Wie er aufgebaut ist und wie er aufgebaut sein sollte sind zwei paar Schuhe.
Das hängt auch davon ab wo du dich am Westwall befindest.
Der Westwall ist am Niederrhein anders aufgebaut als im Saarland.
Gibt es für dein Abitur eine örtliche Eingrenzung?

3

Sonntag, 13. Juni 2010, 20:37

mein Thema ist hauptsächlich Westwall in Rheinstetten ( 2 km südlich von Karlsruhe)

allerdings muss ich 12 Seiten schreiben, deswegen kann bzw. muss ich auch weiter ausholen

was ist denn im Saarland oder am Niederrhein anderst als hier?

Danke

Grüße

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4

Sonntag, 13. Juni 2010, 23:15

Rheinstetten hat wieder eine Sonderstellung !
Denn hinter den Linien des Westwalls befindet sich hier der 1936-1937 erbaute Ettlinger Riegel !

Ralph

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5

Sonntag, 13. Juni 2010, 23:38

He, Bonfire, verwirre den armen Phil doch nicht so mit Fachausdrücken, wie Ettlinger Riegel :-)
Was soll er sich denn darunter als Neuling auf diesem interessanten Gebiet vorstellen? Ein Schokoriegel? Spass beiseite, was die SOnderstellung angeht hast du schon Recht, Bonfire.
Für Phil wäre es für seine Arbeit sicherlich interessant und irgendwie unumgänglich mal ein wenig Fachlektüre zu lesen, wie z.Bsp. den Bettinger Büren. Er müsste mal sehen ob es in seiner Gegend eventuell eine Bibliothek gibt wo man das Buch (denke mal für dürfte eher der 1. band interessant sein) ausleihen kann. Weil zum Kaufen "nur" wegen einer Arbeit ist es wohl zu teuer.

Ausser der gute Phil verfällt dem Hobby wie so viele, und will sein "Wissen" vertiefen :-)

Dann kommt er um das Buch eh nicht herum, hihi.
http://www.festungsfreunde-saarland.de/

6

Montag, 14. Juni 2010, 11:12

danke da werde ich mal schaun

den Ettlinger Riegel den kenn ich schon so ists jetzt auch nicht, aber wir haben hier ja direkt am Rhein genauso ja auch den normalen Westwall

7

Montag, 14. Juni 2010, 13:05

Hallo,

Über den Aufbau der Oberrheinstellung und ihre Unterschiede zu anderen Stellungen ist B&B auch nicht so ausführlich.

In Theorie hätte man 1937 die dann noch "Westbefestigungen" genannten Systeme nach drei verschiedenen Konzepten bauen wollen:

1) Das Sperrkonzept mit dünnwandigen Bauwerken in einer sehr dünnen Linie zur vorübergehenden Sperrung von vor allem Straßen.
2) Das Stellungskonzept mit Bauwerken in überweigend 1m Wandstärke ("Baustärke B1"), damit Heereseinheiten einen Angriff von einem stärkeren Gegner für einige Zeit aufhalten können.
3) Das Festungskonzept mit selbständigen "Werken", unterteilt in Werken zur Infanterieabwehr (das sind heute die B-Werke), Panzerabwehr (das sind die nur im Oder-Warthe-Bogen sichtbaren aber nicht fertig gestellten A-Werken in vorderster Linie) und für Artillerie (das sind die nur im Oder-Warthe-Bogen sichtbaren aber nicht fertig gestellten A-Werken hinter der Linie). Hiermit sollte eine Verteidigung längerfristig gewährleistet werden, kostete aber entsprechend viel Zeit, Geld und Entwicklungsaufwand.

In der Oberrheinstellung wurde vor Allem das Stellungskonzept geplant, und für den Abschnitt Karlsruhe-Kehl später auch das Festungskonzept.

Die Praxis wurde aber völlig anders:
1) Weil die Front solang war, wurde 1936 erstmal angefangen Brücken und Übergangsstellen mit einem Brückenkopf zur Rundumverteidung mit Bunkern zu bestücken. Das heißt, dort entstanden hinter Pfahlhindernissen und Wasserarmen auch dünnwandige Bunker mit Scharten nach Osten.
2) Die Grundwasserverhältnisse verhinderten den Bau von Werken.

Erst mit dem Limesprogramm und seinem adaptierten und vereinfachten Stellungskonzept entstanden längere, durchgehende Linien in der Oberrheinstellung, die sich typischerweise folgendermaßen zusammen setzen:

1) Am Rheinufer entstand eine durchgehende Linie mit MG-Doppelschartenständen, meisten die Regelbauten 24 und 25. Zwischendurch standen auch MG-Schartenständen vom Regelbau 23 und mal Artilleriebeobachter vom Regelbau 28. Dort wo Flüsse oder Häfen links- oder rechtsseitig vom Rhein die Möglichkeit eröffneten mit kleinen, schnellen Booten anzugreifen, wurden PAK-Stände gebaut (die also erstmal keine Panzer oder Straßenfahrzeuge zu beschießen hatten).
2) Hinter dem Rheinufer wurden einzelne Unterstände mit angehängtem Kampfraum (oder auch adaptierte, doppelte angehängte Kampfräume) im Uferwald gebaut, oft an Kreuzungen von Waldwegen oder Brücken über kleine Wasserarme.
3) Der Hochwasserschutzdamm dahinter wurden als zweite Linie eingerichtet. Hier baute man vor allem Unterstände hinter dem Damm und platziert die "angehängten" Kampfräume als separate, sparsame MG-Schartenstände als "abgesetzte Kampfräume" auf dem Damm.
4) Gibt es einen weiteren, vielleicht nicht mehr ganz so funktionellen Hochwasserschutzdamm, wird dieser gerne als weitere Linie auf der gleichen Weise eingerichtet, oft nur mit weniger Bunkern.
5) Ortschaften dahinter werden mehr oder weniger zur Rundumverteidigung eingerichtet. In manchen Fällen mit Bunkern mit Scharten auf Osten.
6) Zwischen, in oder neben den Ortschaften entstehen Gefechtsstände, Sanitätsstände und Stellungen für Artillerie. Letztere meistens als Unterstande, manchmal auch als Geschützschartenstände der 500-Serie.
7) Typischerweise fehlen meistens Artilleriebeobachter im Hinterland. Die nahen Berge des Schwarzwaldes machten es der Artilleriebeobachtung einfacher als sonstwo.

Typischerweise fehlen meistens auch künstliche Hindernisse in Form von Pfahlhindernissen, Höckerhindernissen, Panzergräben oder -Mauern. Der Rhein und die wasserreichen Flußwälder wurde als ausreichendes Hindernis betrachtet.

Die Struktur überlagert manchmal ältere Systeme wie der Ettlinger Riegel, der als System von West nach Ost die östliche Hälfte des Rheintals im Stellungskonzept von 1937 sperrte.
Die Korkerwaldstellung entstand Ende 1937 als Mischung aus Sperr- und Stellungskonzept um den als erhöht gefährdet betrachtete Bereich zwischen Strasbourg im Westen und dem Kinzigtal nach Osten vorläufig zu sichern, solange noch kein Festungskonzept bei Kehl etabliert werden konnte.
Die Riegelsysteme zwischen Freiburg und Basel entstanden erst später, 1939 als neue, dünne abgesetzte Linien.

Der Aufbau von anderen Stellungen ist deutlich anders: Egal welches Konzept bis 1938 angewandt wurde, wenn die Stellung im Limesprogramm ausgebaut wurde, entstanden Bunker in meistens nur einer Linie oder Zone, mal dicker mal dünner, mit lokal angedeuteten Linien.
Manche Stellungen wurden auch erst 1939 mit den 100-Regelbauten ausgebaut, manche mit beiden.
Nach September 1939 werden auch wieder neue Stellungen angefangen, die meistens aus einer dünnen Linie mit relativ guten Bauwerken bestehen.
Erst spät 1939 entstehen mancherorts hinter bestehenden Stellungen neue, dünne Linien, wie in der Südeifel oder im Bienwald.

Beste Grüße
Patrice

Zappo

Fortgeschrittener

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8

Montag, 14. Juni 2010, 15:32

Zitat von »"Ralph"«

.......z.Bsp. den Bettinger Büren. Er müsste mal sehen ob es in seiner Gegend eventuell eine Bibliothek gibt wo man das Buch (denke mal für dürfte eher der 1. band interessant sein) ausleihen kann. .....

Die Landesbibliothek Karlsruhe hat den.

Gruß Zappo

9

Montag, 14. Juni 2010, 17:10

vielen Danke für eure Hilfe =)
in 7 Tage ist Abgabe da muss ich mich noch ranhalten *g*

Grüße

Ralph

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10

Montag, 14. Juni 2010, 21:41

Wenn du nur 7 Tage hast, denke ich mal dass dir Patrice wohl am besten weiter helfen kann. Er ist meines Wissens auf dem Gebiet mehr als nur "bewandert", sondern kennt sich super aus, und weiss wovon er redet.
Siehe auch seinen Beitrag ein wenig weiter oben, da stehst schon alles Wesentliche drin!
Das wird dir 100% weiter helfen!
http://www.festungsfreunde-saarland.de/

11

Sonntag, 20. Juni 2010, 16:42

Da ich am Dienstag meinen schriftlichen Teil abgeben muss, will ich mich jetzt bei euch allen bedanken! Ihr, vor allem Patrice, wart mir eine sehr Große Hilfe!
Das Thema Bunker intressiert mich mittlerweile so arg, dass es schon zu einem kleinen Hobby von mir geworden ist ;)


Danke!! =)

Grüße Philipp