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Donnerstag, 28. Januar 2010, 21:11

Die Regelbauten und Bauformen der LVZ-West 1938-1940

Die LVZ-West als Bauprojekt der Luftwaffe wurde geprägt durch die Rivalität zwischen beiden Waffengattungen. Die Luftwaffe wollte dem Heer in nichts nachstehen und so läßt sich erklären, warum sich die Luftwaffe nicht auf den Bau von Flakstellungen beschränken wollte, sondern für ihre "Luftwaffenfelddivisionen" auch eine eigene Stellung oder sogar eher Bodenverteidigungszone schuf. Das Konzept dieser Stellung glich dem Konzept für eine Stellung des Heeres, wie sie ab Mai 1938 mit dem Limesbauprogramm praktiziert wurde:
- Es gibt Stände für Maschinengewehr, Unterstellräume für PAK und Unterstände für Infanterie.
- Es gibt Straßensperren und durchgehende Panzerhindernisse wie Panzergräben und Höckerhindernisse.

Die angewandten Regelbauten wurden aus den Regelbauten des Heeres entwickelt, aber manche (wie der B) greifen eigentlich veraltete Konzepte auf, die das Heer schon verlassen hatte. Sehr deutlich sichtbar wird dies auch bei den verwendeten Panzereinbauteilen wie Panzertüren, Gewehrschartenverschlüsse oder Schartenplatten, die in vielen Fällen auf nicht mehr aktuelle Konzepte des Heeres hindeuten.

Es gibt aber auch deutliche Unterschiede und eigene, neue Entwicklungen:
- Das Heer baute selten separate Unterstände für Munition, die Luftwaffe da entgegen baute ihre Regelbauten, die ursprünglich für Flakmunition vorgesehen waren auch in der Bodenverteidigungszone. Es ist anzunehmen, daß in diesen keine Flakmunition eingelagert wurde, sondern eher Munition für die verteidigende Infanterie.
- Die Luftwaffe übernahm vom Heer die Regelbauten 11 und 10a und entwickelte diese zu ihren Regelbauten U und F. Dabei wurde das fragwürdige Konzept eines angehängten Kampfraumes nicht übernommen.
- Das Heer ließ sich Dezember 1938 auf eine erneute Konzeptänderung ein und erhöhte die Wand- und Deckenstärke der Baustärke "B" von 1,5 auf 2,0 Meter. Dieser Wechsel der Wandstärke wurde bei den Heeresregelbauten sofort bemerkbar, indem die alten Limesregelbauten darauf notdürftig umgestellt wurden. Die damit einhergehenden Schwierigkeiten hatten dann bis Februar 1939 die Einführung der neuen Regelbauten mit Nummern über 100 zu Folge (und hat nichts mit dem Aachen-Saar-Programm von Oktober 1938 zu tun). Dieser bautechnischen Veränderung folgte die Luftwaffe erstmal nicht, indem ihre Neubauten 1939 meistens bei der alten Wandstärke blieben. Erst nach und nach kam diese Veränderung verzögert auch in der LVZ-West an aber ein wirksames Merkmal zur Datierung ist sie dort nicht.
- Während in den Stellungen des Heeres zuerst über zehntausend Bunker zur Bodenverteidigung gebaut werden mussten, blieben hier giftgasgeschützte Bauwerke zur Wasserversorgung relativ unterrepräsentiert. In den oft mehr isolierten Stützpunkten der LVZ-West, die zahlenmäßig noch nicht einmal ein Zehntel der gebauten Bunker stellten, wuchs die Entwicklung der Wasserversorgung schneller voran.
- Baute die Luftwaffe anfangs eine mehr oder weniger lineare Stellung zur Bodenverteidigung, so wuchs das gesamte Konzept um mehr oder weniger zerstreute Stützpunkte, die auch in die Tiefe angeordnet das Heereskonzept einer Stellung verlassen und eine Art "Bodenverteidigungszone" bilden. Die Bedeutung von langen, durchgehenden Panzerhindernissen fiel und in später gebauten Abschnitten findet man sie nur noch selten.

Eine besondere Art der Übererbung von Bauformen trat bei den Regelbauten F und K auf, die ursprünglich aus den Regelbauten 10a und 31 des Heeres entwickelt wurden und später konzeptionell übererbt in Hauptquartieren gebaut wurden.
Als ab 1940 Führerhauptquartiere gebaut werden mußten, wurden dafür in zwei (und je nach Betrachtung drei) Fällen Stützpunkte der LVZ-West entzogen, einbezogen und/oder umgebaut. Das FHQ "Felsennest" bei Bad Münstereifel ist beispielhaft und könnte diese Übererbung auf das benachbarte Hauptquartier des Heeres "OKH Hülloch" geprägt haben. Bei Bad Münstereifel hatte die Luftwaffe mindestens einen Regelbau K als "Flak-Untergruppenkommando" vorgesehen (vgl. Groß 2001), also schon eine Funktion als Gefechtsstand. Ein Regelbau F mit größerer Wandstärke muß später hinzugekommen sein, der K wurde umgewidmet und mit weiteren Anbauten versehen. Als dann später zusätzliche, neue Hauptquartiere, und im Beispiel von Hülloch auch für das Heer eingerichtet wurden, entstanden neue, angepaßte Regelbauten K. Anstelle von Regelbauten F fiel die Wahl auf den moderneren aber durchaus vergleichbaren Regelbau 102V.

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Donnerstag, 28. Januar 2010, 21:22

Unterstände und Schartenstände

Unterstände und Schartenstände

Die Unterstände und Schartenstände der LVZ-West